Traktoren der Marke "ZETOR" in der BRD

 


In den neuen Bundesländern, dem Bereich der ehemaligen DDR, sind die Traktoren aus dem tschechischen Brno (dt. = Brünn) jedem Schlepperfreund ein Begriff. Doch auch in der BRD wurden Traktoren der Marke „Zetor“ vertrieben. Zum Generalimporteur wurde die in Furth im Wald, unweit der tschechischen Grenze, ansässige SEMEX Metall- und Maschinen GmbH. Der Betrieb war ein Tochterunternehmen der tschechischen Motokov-Gruppe und importierte neben den genannten Zetor-Schleppern auch noch lange Jahre Fahrzeuge der Marke „Skoda“. Erste Schritte als Vertriebshändler für die Zetor-Traktoren wagte die Firma „Hans Grieb“ - Kfz-Werkstatt & Landmaschinenhandel-, aus Tännesberg in der Oberpfalz. Ab 1963 vertrieb Sie die über SEMEX bezogenen Schlepper im näheren Umland. Die ersten Typen waren die Modelle 2011, 3011 und 4011 mit 22, 35 sowie 45 PS.
 

 

Der Zetor 2011 mit dem Beinamen „Minor“ wurde ab 1963  hergestellt. Er entstand aus dem seit 1960 produzierten Zetor 3011 „Major“, besaß jedoch nur einen Zwei- zylinder-Dieselmotor, welcher einen Hubraum von 1560 cm³ besaß und 22 PS bei 2000 U/min abgab. Das Getriebe hatte 5 Vorwärtsgänge- und 1 Rückwärtsgang, mit der zusätzlichen Untersetzung ergab sich vorwärts ein Geschwindigkeitsbereich von 1,02 bis 21,6 km/h. Mit Seitenmähwerk und Schmotzer-Schleuderradroder präsentierte sich das 1967 gebaute Fahrzeug auch im Jahr 2009 noch in einem hervorragenden Zustand.


Das Unternehmen richtete sich jedoch 1968 neu aus, spezialisierte sich auf den Verkauf von Pkw und stellte daraufhin den Vertrieb von Landmaschinen ein. Im gleichen Jahr übernahm den Vertrieb dann die Lindner GmbH aus dem bayrischen Wieselrieth. Johann Lindner vertrieb ab 1968 Schlepper der Baureihe UR I aus Brünn, die mit Leistungen von 25 bis 70 PS erhältlich waren. In Wieselrieth erfolgte eine Anpassung der Fahrzeuge an den deutschen Markt, dazu zählten u.a. der Einbau einer Druckluftanlage, Fronthydraulik sowie die Montage eines Wetterverdecks oder einer festen Kabine. Lindner vertrieb die Typen vorrangig in Bayern und Hessen und konnte hier beachtliche Erfolge verbuchen. Zum Verkaufsschlager entwickelte sich die ab 1968 in neuem Design vorgestellte „5er“-Reihe mit den Modellen 2511, 3511, 4511, deren Basis das Grundmodell Zetor 5511 bildete.
 

1966 wurde in Brno der Zetor 5511 vorgestellt, die Serienproduktion begann 1968. Mit Einführung der neuen 5er-Reihe (Modelle 2511, 3511, 4511) wurde auch das Design verändert, die runde „Schnauze“ war verschwunden, die neue „quadratnasige“ Motorhaube wirkte wesentlich moderner. Als technische Änderungen wären zu nennen die Hydraulikanlage „Zetormatic“ mit mehr Hubleistung, eine verstärkte Vorderachse, geteilte Bremspedale, ein neues Armaturen- brett, sowie die optionale Servo-Lenkung. Das Modell war auch mit Allrad als „Zetor 5545“ erhältlich. Gerade für leichte und wendige Aufgaben werden die kleinen Schlepper auch heute noch gerne genutzt, so wie hier der „5511“ mit einem EUROTOP 421N-Kreisel- schwader von Pöttinger.


Als weitere Innovation galt die neue Hydraulikanlage vom Typ „Zetormatic“. Versuche des Herstellers zeigten, dass mit richtiger Nutzung der neuen Hydraulik eine Erhöhung der Erträge um 20-36 % je ha und eine Herabsetzung des Diesel-Kraftstoffbedarf um 15 bis 27 % möglich waren. Für viele Bauern und Kleinbetriebe waren die Importschlepper eine günstige Alternative zum deutlich teureren „Westpendant“. Der Zetor 4712, ein 45 PS-Modell, kostete z.B. nur 16.200 DM und bot nur wenige Einschränkungen hinsichtlich Ausrüstung und Komfort mit einem vergleichbarem Westmodell.
 

Ab 1972 wurde die sogenannte 5er-Reihe überarbeitet, der Markt verlangte einfach nach mehr Leistung und Tragfähigkeit bei den Traktoren. So entstand die 7er-Reihe mit den Modellen Zetor 4712, 5711 und 6711. Letzterer brachte den Hersteller mit seinen 59 PS eine ganze Zugkraftklasse voran. Der Zetor 4712 bekam einen neuen Dreizylindermotor mit 2592 cm³ Hubraum und 45 PS Leistung. Das Modell hätte aber eigentlich „4711“ (11 = Hinterrad- antrieb) heißen müssen, diese Zahlen- kombination beanspruchte jedoch schon ein berühmtes „Duftwässerchen“ für sich. Zum Einsatz kam der „Nummern-Exot“ hier in der Getreideernte mit einem JF MS 70-180-Umbaumähdrescher der dänischen Firma
–JF-.


In Bayern erreichte Lindner zeitweilig einen Marktanteil von 3 % im Traktorenverkauf, in Hessen vertrieb er jährlich etwa 200 Traktoren. Die Zetor-Typen der stärkeren Reihe UR II mit einem Leistungsbereich von 80 bis 160 PS wurden in der Slowakei bei ZTS Martin hergestellt. Einen Zetor 8011 Crystal aus dem slowakischen Martin stellte die Lindner GmbH 1978 auf der „Frankenschau“ in Nürnberg vor, das Modell gehörte mit seinen 80 PS zur Baureihe UR II,  bekam allerdings wegen der Kabine von der Berufsgenossenschaft keine Zulassung in der BRD, erst ca. 2 Jahre später wurden die Modelle der UR II-Reihe unverändert zugelassen. Das kleine Familienunternehmen importierte aus der ehemaligen CSSR neben Zetor-Schleppern auch noch Mähwerke der ZTR-Reihe, selbstfahrende Maishäcksler vom Typ SP8-050, Dungstreuanhänger RU-5 sowie MT8-Kleintraktoren die als PROTRAC verkauft wurden. Mit der Wende 1989/90 in der DDR und den Veränderungen in ehemaligen der CSSR kam auch Zetor in Produktions-Schwierigkeiten. Lindner stellte daraufhin 1994 den Vertrieb von Zetor-Schleppern ein. Heute vertreibt die Firma noch Kleintraktoren, Rasenmäher, Forstgeräte und andere landwirtschaftliche Kleingeräte. An die große Zetor-Zeit erinnert nur noch der umfangreiche Ersatzteilhandel, denn viele der mittlerweile über 40 Jahre alten Traktoren stehen bei bayrischen Bauern sowie Kleinunternehmen noch immer in Lohn und Brot. Diese zu finden war allerdings nicht gerade leicht. Von einen Bekannten aus Cham, Besitzer eines Schlepper vom Typ FORTSCHRITT ZT 303, bekam ich dann den ersten  Tipp .In Tännesberg sollte ein von ihm befreundeter Landwirt noch 2 ältere Zetor-Schlepper im Einsatz haben, na das war doch ein Anfang. Nach einer Kontaktaufnahme erfolgte wenige Wochen später ein erster Besuch. Vor mir standen nun die ersten (BRD)-Zetor der älteren Baureihe UR I in Form eines Zetor 6711 und 7045. Auch für mich, der bisher nur die ab 1982 in die ehemalige DDR importierten Zetor 5011 und deren Folgemodelle kannte, ein ungewohnter Anblick. Das Design völlig anders, eben noch etwas älter, statt typischer Zetor-Kabine bestimmten hier Dieteg-Verdeck oder Fritzmeier-Kabine das Bild. Nach einigen Fotos natürlich die obligatorische Frage nach weiteren Zetor-Besitzern in der Gegend, man kennt sich schließlich untereinander! Der Herr geleitete mich dann spontan auf einen ca. 3 km entfernt gelegenen Hof, der wie sollte es anders sein, mit 3 „Zetor`en“ bewirtschaftet wurde. Nach kurzer Vorstellung meiner Person und meines Anliegens wurden mir auch sogleich alle 3 Fahrzeuge im Einsatz vorgeführt. Ein Zetor 6745 lief im Stall vor dem Futtermischwagen, mit dem Modell „10145“ wurde Gras gemäht und wenig später kam noch ein „6748“ mit Kreiselheuer zum Einsatz.
 

Das stärkste Modell der „7er“-Reihe war der Zetor 6711, den es auch wie hier abgebildet als Allradvariante mit fester Kabine als Zetor 6748 gab. Der Vierzylindermotor leistete maximal 65 PS bei 2200 U/min. Weitere Änderungen bei der neuen Reihe betrafen vor allem den Antriebsstrang, 4. und 5. Gang waren nun synchronisiert und die neuen von Zetor hergestellten Allradvorderachsen deutlich zuverlässiger. Bisher bezog man diese aus Rumänien, sie wurden dort in FIAT-Lizenz gebaut. Das beschriebene Modell ist hier mit einem NIEMEYER-Kreiselheyer zu sehen, zur besseren „Klimatisierung“ hat der Bauer seiner Frau kurzerhand die Türen ausgehangen, ein Tribut an die rundum verglaste Kabine.

 

Die Modelle der stärkeren Reihe UR II aus dem slowakischen Martin sind eher selten anzutreffen, Schlepper ab 80 PS konnten hiesige Bauern mit ihren kleinen Flächen kaum wirtschaftlich einsetzen. Der Zetor 10145, hier bei der Grasmahd mit Niemeyer-Frontmähwerk RO 270-FB, gehört zur 2. Reihe die ab 1984 gefertigt wurde. Diese bot Schlepper mit Leistungen von 75 bis 160 PS. Der aufgeladene Vierzylinder-Dieselmotor gab bei 2200 U/min stolze 100 PS ab. Das 3-Gruppen-Getriebe hatte 8 Vorwärts- und  4 Rückwärtsgänge sowie einen zusätzlichen Drehmomentwandler. Die Regelhydraulik besaß 3 Systeme mit serienmäßiger Unter- lenkerregelung.


Wenn das kein Fotografen-Glück ist! Auch ein Bekannter der hier zu Besuch war, wusste von weiteren Fahrzeugen in den umliegenden Dörfern zu berichten, ja er nahm sich sogar 1 Stunde Zeit und begleitete mich. So bekam ich in dieser kurzen Zeit noch einige weitere der begehrten Schlepper-Modelle zu Gesicht. Letztendlich war es ein rundum gelungener Tag, ein Dank an dieser Stelle an die durchweg freundlichen Landwirte und Besitzer. Weitere Kontakte bekam ich über einen ehemaligen Verkäufer der Lindner GmbH, der mir viele weitere noch im Betrieb befindliche Zetor-Schlepper nennen konnte, die auch heute noch zum Teil unweit meines Wohnortes Nürnberg ihr „Unwesen“ auf den Feldern treiben. Übrigens waren alle vorgefundenen Fahrzeuge in einem für ihr Alter sehr gutem Zustand, viele noch im Originallack mit Händleraufkleber auf der Motorhaube. Und sind sie nicht im Einsatz, stehen die meisten gut beschützt in Scheune oder Hof untergestellt. Ein Grund warum ich die kleinen CSSR-Schlepper bei früheren Streifzügen nicht immer auf Anhieb erspähen konnte.

 

Jan Welkerling, Nürnberg (www.ddr-landmaschinen.de)

 

Diesen Artikel hatte ich seinerzeit exklusiv für die Zeitschrift "Traktor-Classik" geschrieben.
Er wurde in der Ausgabe 1/2010 (Januar/Februar) abgedruckt.
 

Ergänzungen Bitte per Mail an

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