Das Seilzugaggregat SZ 24
 

Der User und Modellbauer Norbert Hohmann hat mir einen Artikel zum Seilzugaggregat SZ 24 "Agronom" zugesandt, den ich hiermit gerne wiedergebe.
 

 
 

Pflügen mit Seilzug

 
 

Als 1680 die erste Veröffentlichung von Denis Papin über die Konstruktion einer Dampfmaschine erschien, war die Geburtsstunde der Nutzung von Zylindern und Kolben mit Hilfe der Dampfkraft angebrochen. Der Engländer Thomas Newcomen entwickelte etwa 1713 die erste Dampfmaschine nach den Grundlagen von Papin. Später, James Watt änderte die Antriebstechnik, wurde die Vor- und Rückbewegung des Kolbens in eine Rotationsbewegung umgewandelt. Erst als der englische Ingenieur John Fowler mit zwei Dampflokomobilen, die am Feldrand standen und einen Kipppflug abwechselnd über das Feld zogen, den praktischen Beweis erbrachte, fand der Dampfflug seinen Einsatz in der Landwirtschaft (Zweimaschinensystem). Mit dem Beginn der technischen Revolution, der weiteren Industrialisierung, der Umsetzung neuer innovativer Ideen, war der Weg frei Dampflokomobile etwa 1860 einzusetzen. Die bis dato vorhandene Arbeitskraft Mensch und die Nutzung von Tieren wie z.B. Pferde, Ochsen erfuhren allmählich eine Veränderung in den Arbeitsaufgaben. Die Bodenbearbeitung, z.B. das Pflügen, konnte mit dem Einsatz der Dampflokomobile und dem an einem Seil gezogenen Pflug in einer anderen Qualität erfolgen. Mit Hilfe der Technik konnte jetzt der Pflug beim Ackervorgang tief ins Erdreich vordringen. Bei der Bearbeitung von Moorflächen wurde bis zu 2150 mm tief gepflügt. Dies zeigt welches Potential diese Technik in sich bot, welche Veränderungen bei der Nutzung bzw. Bearbeitung von landwirtschaftlichen Flächen möglich waren. Der Einsatz der Krümmeregge, des Tiefengrubbers, des Rübenhebers, der Glattwalze, des Einfurchenpfluges und manch anderer Bodenbearbeitungsgeräte zeigte den Wandel in der Feldbearbeitung an.

Das Prinzip, die Arbeitsweise des Pflügens mit dem Dampflokomobil (Dampfpflug) war folgende:
Zwei Dampflokomobile standen sich am Feldrand gegenüber, mit Hilfe der jeweiligen Seilwinde, an jedem Fahrzeug befand sich diese unterhalb des Kessels, wurde der an einem Stahlseil befestigte Kipppflug hin und her gezogen. Max Eyth hat einen wesentlichen Beitrag zu diesem Arbeitsverfahren geleistet. Hatte der Pflug den Feldrand erreicht, so musste er gekippt werden und der Ackervorgang begann aufs Neue. War dies erfolgt, so fuhren die Dampflokomobile vorwärts. Die Fahrstrecke entsprach der Arbeitsbreite des Pfluges. Die Arbeitsweise bzw. der Einsatz dieser Möglichkeit der Bearbeitung von Feldern wurde durch folgende Umstände Grenzen gesetzt:
 -  die Länge des Stahlseiles gab den Arbeitsbereich vor und somit war die Größe, Länge des Feldes bestimmt
 -  das Feld musste relativ eben sein, da ein Sichtkontakt des Bedienpersonals erforderlich war und somit ist der Einsatz dieser Technik
   bei sehr schlechtem Wetter nicht gegeben

Zu den zwei Dampflokomobilen (Dampfflügen) dazu gehörig waren:
 -  der Kipppflug
 -  ein Wasserwagen
 -  ein Wagen für die Festbrennstoffe
 -  eine fahrbare Handpumpe
 -  ein Wohnwagen

Dampflokomobile, Heißdampfpfluglokomotive Typ BM von Reinmetall bis hin zu Dampflokomobilen der Firma Heuke (als technisches Denkmal einsatzfähig erhalten), hatten folgende technischen Parameter:
 - Eigenmasse bis zu 20 Tonnen, mit Wasserfüllung etwa 23 Tonnen
 - Leistung je nach Typ von 80 PS bis zu 280 PS
 - Heißdampftemperatur während des Betriebes etwa 380°C
 - Betriebsdruck lag zwischen 12,5 bar und 17,0 bar
 - Höhe des Fahrzeuges bis zu 3600 mm
 - Breite des Fahrzeuges bis zu 2500 mm
 - Länge des Fahrzeuges bis zu 8000 mm
 - Kohleverbrauch für beide Maschinen betrug von 80 kg bis zu 140 kg je ha
 - Wasserverbrauch lag zwischen 670 Liter bis etwa 800 Liter je ha
 - Stündliche Leistung etwa 1,4 ha ( 1ha = 10000 m
², 0,25 ha = 1 Morgen, 1 Morgen = 2500 m² )
 - Länge des Stahlseiles, welches die Trommel aufnahm, betrug bis zu 500 m

Die Angaben schwanken wegen den verwendeten Maschinentypen, dem verwendeten Kipppflug und der Bodenverhältnisse.

Als Brennmaterial wurde Steinkohle verfeuert. Auch mit Braunkohle, Torf oder Holz war der Betrieb der Dampflokomobile möglich.  Allerdings war es erforderlich, um den selben Wirkungsgrad wie mit Steinkohle zu erzielen, mengenmäßig mehr minderwertiges Brennmaterial bereit zu halten. Auf Wunsch konnten Dampflokomobile von den Herstellern auch für flüssige Brennstoffe ( Öl ) ausgerüstet werden. Der Einsatz dieser Technik, das Pflügen mit Dampflokomobilen ist in Deutschland, BRD ebenso in der DDR, bis Anfang der siebziger Jahre belegt. Dies ist wohl der Nachkriegszeit, dem Wiederaufbau der Industrie geschuldet. Im 19. Jahrhundert war das Verfahren mit Hilfe eines Kipppfluges der von zwei Dampflokomobilen an einem Stahlseil über das Feld gezogen wurde, sehr fortschrittlich und auch sehr wirtschaftlich. Es konnte eine tiefe Bodenbearbeitung ohne Verdichtung der zu bearbeitenden Fläche erfolgen. Als etwa 1960 die Industrie der Landwirtschaft leistungsfähige Traktoren zur Verfügung stellen konnte, wurden die Nachteile des Pflügens mit Dampfkraft, dem weiteren Einsatz dieser Technik zum Verhängnis. Der hohe personelle Aufwand, der umständliche Transport der Technik und der erforderlichen Begleitwagen, der hohe Zeitaufwand, um die Betriebsfähigkeit der Dampflokomobile herzustellen, waren ausschlaggebend, um diese Form der Feldbearbeitung aufzugeben.
 

 

Altbewährtes Pflügen mit neuer Technik

Eine interessante technische Entwicklung ist das Seilzugaggregat, welches ab 1960 im VEB Mähdrescherwerk Weimar hergestellt wurde. Das Fehlen von leistungsstarker Technik zur Bearbeitung von schweren Böden, vorhanden waren nur Zugmittel bis etwa 40 PS und diese in ungenügender Stückzahl, setzte der weiteren Entwicklung der Produktivität in der sozialistischen Landwirtschaft ( Kollektivierung, Gründung von Landwirtschaftlichen Produktionsgemeinschaften ) Grenzen. Das Traktorenwerk Schönebeck/Elbe ist nach dem Ende des II. Weltkrieges aus dem FAMO Fahrzeug- und Motorenwerk GmbH Breslau und dem Junkerswerk Schönebeck/Elbe hervorgegangen bzw. es erfolgte die Zusammenlegung zu einer Fabrik zur Entwicklung und Herstellung von landwirtschaftlichen Zugmitteln.

Im Jahr 1955 wurde von den Konstrukteuren, unter der Leitung des Ingenieurs R. Blumenthal, die ersten Entwürfe für ein Seilzugaggregat vorgestellt. Nachdem zwei Funktionsmuster in der Erprobung waren, die anfänglich eine Motorleistung von 150 PS besaßen, erfolgte 1959 mit weiteren Sätzen des Seilzugaggregates (ein Satz bestand aus zwei Maschinen) eine breit gefächerte Praxiserprobung. Im VEG Altenweddingen, im Bördekreis Wanzleben, waren die Maschinen zu diesem Zweck stationiert. Es fanden auch erfolgreiche Versuche statt, um Gräben zur Entwässerung anzulegen. Hierzu wurde ein Grabenpflug verwendet. In einer Schicht wurde etwa ein 1,5 km langer Graben gezogen. Mit einem 5-scharigen Pflug, der bis zu einer Tiefe von 35 cm den Boden umbrach, wurden 8 ha bearbeitet und das in etwa 8 Stunden.
 


SZ 24 "Agronom" in der Prüfstelle Caaschwitz....
 

....und in Arbeitsposition auf dem Feld.

Das Seilzugaggregat SZ 24 hatte folgende technischen Parameter:
 -  Eigengewicht 14 Tonnen
 -  Sechs-Zylinder-Dieselmotor mit 180 PS
 -  Länge des Fahrzeuges 6140 mm
 -  Breite des Fahrzeuges 2600 mm
 -  Höhe des Fahrzeuges 2550 mm
 -  Mittlere Seiltrommelhöhe über Ebene 1050 mm
 -  4 Fahrgeschwindigkeiten
 -  Verständigung des Pflugpersonals mit Hilfe einer optischen Signalanlage
 -  Seiltrommel verfügte über ein Vierganggetriebe, um die Arbeitsgeschwindigkeit variieren zu können
 -  Länge des Stahlseiles 580 m, welches eine Trommel aufnahm

Die Farbgebung der Serie war:
 -  Fahrerhaus Orange
 -  Fahrwerk mit Rahmen in einem hellen Grau

Die Farbgebung der Messefahrzeuge war:
 -  Fahrerhaus und Fahrwerk mit Rahmen in einem hellen Grau

Die Farbgebung des Vorführfahrzeuges war:
 -  Fahrerhaus und Laufrollen in Rot
 -  Rahmen in hellem Grau
 -   Abgasanlage in silbern

Die Farbgebung eines technisch veränderten Fahrzeuges, Versuchsfahrzeug (luftgekühlter 12-Zylindermotor, hydraulischer Drehmomentwandler), welches an der Stirnseite der Versuchswerkstatt noch nach 1962 abgestellt, war:
 - Fahrerhaus und Fahrwerk mit Rahmen in einem dunklem Grau

Vorteile gegenüber den Dampflokomobilen:
 
-  geringere Eigenmasse
 -  keine Fahrzeuge für Wasser, Kohle, Wohnwagen und fahrbare Handpumpe erforderlich
 -  Kraftstoff war in den Kosten geringer als der Transport für die Verbrauchsgüter der Dampflokomobile
 -  Befahren des Feldes möglich
 -   weniger Personal ( Arbeitskräfte ) waren erforderlich
 -  Einsatz zu Meliorationsarbeiten war gegeben, da die Anordnung der Seiltrommel mittig im Fahrzeugrahmen die Führung des Seiles
   über das Heck möglich machte

Nachdem die Entwicklung im Traktorenwerk Schönebeck/Elbe abgeschlossen war, wurden die Fahrzeuge im VEB Mähdrescherwerk Weimar, bis 1945 die Gustloff Werke in Weimar,  hergestellt. Am 02. November 1960 wurde das erste Seilzugaggregat SZ 24 „Agronom“ fertig gestellt und der Landwirtschaft übergeben. Die Anzahl der produzierten Einheiten, damit ist ein Maschinenpaar gemeint, soll 61 Stück betragen haben. Das Ende der Produktion war bereits 1961, obwohl zur agra – Ausstellung 1962 das Seilzugaggregat erneut vorgestellt und vorgeführt wurde.
 


Drehpflug B 090....
 

....während Tests in einer Prüfstelle.

Wurde anfangs noch der bekannte Kipppflug verwendet, so kam jetzt der von VEB BBG Leipzig entwickelte und gebaute Drehpflug B 090 zum Einsatz. Dieser wurde auch wieder wechselseitig zwischen den Maschinen hin und her gezogen. Der B 090 Drehpflug hatte gegenüber dem bisher verwendeten Kipppflug eine Tonne weniger Eigenmasse. Da es wohl sicherheitstechnische Probleme mit dem Pflug B 090 gab, wurde dann nachfolgend der Pflug B 091 entwickelt und eingesetzt. Die sicherheitstechnischen Mängel bezogen sich im wesentlichen auf Arbeitsunfälle, bei denen Menschenleben unter dem Bedienpersonal zu beklagen waren.

Der Pflug B 091 war wieder ein Kipppflug (Antibalance-Kipppflug). Der Drehpflug B 090/2 verfügte gegenüber dem B 090/1 lediglich über 4 Pflugschare. Für die Bearbeitung des Feldes waren auch Egge (B 492) oder Grubber im Einsatz.

Die an dem Seilzugaggregat als auch am Drehpflug befindliche optische Signalanlage wurde später durch eine UKW-Sprechanlage ersetzt.  

Das Seilzugaggregat musste sich den Leistungsvergleich mit anderen Zugmitteln stellen und konnte dabei nicht seine Effektivität unter Beweiß stellen. Die Gründe waren:
 
-   universell einsetzbare Traktoren waren verfügbar
 -   es standen höher motorisierte, mit Allradantrieb ausgerüstete Radschlepper zur Verfügung
 -   Nacharbeit des Feldes entfiel
 -   Störanfälligkeit einzelner Baugruppen und der damit verbundene Transport der bewegungsunfähigen Maschine

In der Entwicklung der landwirtschaftlichen Betriebe wurden die Felder immer größer. Im Ergebnis des wissenschaftlich-technische Fortschritts, der Umsetzung der Ideen der Konstrukteure und Ingenieure leistungsstarke, vielseitig einsetzbare Zugmittel zu entwickeln und zu produzieren, ist ein weiterer Grund zu sehen. Einen großen Anteil daran hatte auch das Traktorenwerk in Schönebeck/Elbe, das jetzt die nächste Generation moderner Technik, 1964 wurde der Traktor ZT 300 vorgestellt, produzierte. Dem Import von Traktoren kommt wohl auch eine bedeutende Rolle hierbei zu. 1961 begann man im VEB Mähdrescherwerk Weimar mit der Überarbeitung des Seilzugaggregates, um aufgetretene technische Probleme zu beseitigen. Diese Bemühungen wurden aus den von mir aufgeführten Gründen, es gab noch zahlreichere, nicht weiter verfolgt. Die Voraussetzungen für einen weiteren Einsatz in der Landwirtschaft waren sehr gering und erfolgten wohl nur noch geraume Zeit. Etwa in der Zeitspanne von 1964 bis 1965, war der letzte Einsatz der Seilzugaggregate. Durch ihre spezielle Arbeitsaufgabe, ihre technische Auslegung dahingehend, war eine effektive Verwendung in anderen Arbeitsbereichen nicht gegeben.

Eine Besonderheit des Einsatzes des Seilzugaggregates SZ 24 möchte ich nicht unerwähnt lassen, die Tiefenentwässerung mit einem gezogenen Grabenpflug.

Eine kleine Auswahl von verbürgten Standorten möchte ich noch nennen,  Weißensee, Gangloffsömmern, Kölleda, Greussen, Lossa,  Herrengosserstedt bei Rastenberg, Bad Dennstedt, MTS Köckte Kr. Tangerhütte, MTS Barneberg. 1961 wurde von der MTS Sachsendorf, Bezirk Frankfurt/Oder, ein Maschinenpaar mit einem Drehpflug B 090 getestet. Im KfL Barneberg, ehemals MTS, wurden 1963 einige Fahrzeuge verschrottet. Es soll sich dabei um drei Maschinensätze gehandelt haben. In der MTS Porstendorf, Sitz Frauenprießnitz, in der MTS Belgern und in der MAS Leimbach war je ein Maschinensatz zu Testzwecken im Einsatz.

Nicht ein Exemplar des Seilzugaggregates ist der Nachwelt erhalten geblieben, kein landwirtschaftliches Museum kann diese Episode der Feldbearbeitung an Hand eines Fahrzeuges vorweisen.

Unter der Verwendung des Fahrerhauses der SZ 24 entstand das Mehrzweck-Gleisunterhaltungsgerät. Die Abbildungen führen oft zu der Annahme das hier eine SZ 24 speziell für die Bedürfnisse im Braunkohletagebau umgebaut wurden. Dies war aber nicht so. Es handelt sich um ein Fahrzeug das in der Zentralwerkstatt Regis, des VEB Spezialfahrzeugwerk Berlin-Adlershof, des Institutes für Fördertechnik Leipzig und der Forschungs- und Entwicklungsstelle Regis entstand. Das Fahrwerk dürfte in wesentlichen Komponenten von einem Panzer aus sowjetischer Produktion stammen. Der 10 Mp Kran, die Vorrichtungen zum Gleisstopfen, Gleisrücken, Bandrücken und Planieren sind Entwicklungen der aufgeführten Betriebe. Von dem Mehrzweck-Gleisunterhaltungsgerät wurden lediglich 3 Stück gebaut.

Es gäbe gewiss noch manches zu berichten über die Entwicklung der Feldbearbeitung mit Hilfe der Technologie Seilzug.

Ein ausgewiesener Kenner zu diesem Thema, Seilzugaggregat SZ 24, ist Herr Horst Hintersdorf aus Erfurt. Seine berufliche Tätigkeit mit dem Seilzugaggregat prädestiniert ihn als Fachmann.

Sollten Fragen auftreten, so bin ich gern bereit diese zu beantworten. Auch würde ich mich freuen, wenn Sie weitere Informationen, wie Berichte zum Einsatz oder Verbleib der Maschinen und Bildmaterial haben und diese mir mitteilen würden.

Norbert Hohmann
Poxdorfer Str. 6
07616 Graitschen b. Bürgel
Deutschland

E-Mail: m.schmiede.m(at)gmx.de

Bedanken möchte ich mich für die Unterstützung bei

Herrn Hintersdorf Horst, Herrn Tschirner Bernd, Herrn Köhler Helmut, Herrn Gerhardt Vollrath, Herrn Wilhelm Gerhard, Herrn Wulf Torsten und all denen, die mir Informationen zu kommen ließen.
 

Ein Modell entsteht

Mein Interesse war geweckt, als ich feststellte, das es in der Entwicklung der sozialistischen Landwirtschaft der DDR einmal ein Fahrzeug gab, das etwas anders war als ein Radzugmittel. Das Seilzugaggregat SZ 24 „Agronom“. Ich ahnte nicht, das die Recherche  so zeitaufwendig sein würde, da es sehr wenige Unterlage zu diesem Fahrzeug und über den Einsatz erhalten geblieben sind.

Zwei befreundete Modellbauer, jeder ist ein Spezialist auf seinem Gebiet, halfen mir meine Idee eines Modells des Seilzugaggregates umzusetzen.  Das Modell sollte folgende Voraussetzungen erfüllen:
 
-  im dem Maßstab 1:87 sein
 -  Darstellung eines Maschinensatzes, d.h. ein linkes und ein rechtes Fahrzeug
 -  Seiltrommel und Schere beweglich
 -  Verwendbarkeit durch bewegliche Teile, im Dioramenbau
 -  Konstruktion der Einzelteile so, das die Möglichkeit einer Kleinserie realisierbar wird

Das Urmodell wurde in Gemischtbauweise, Fahrerhaus in Kunststoff und alle anderen Teile aus Messing, hergestellt. Somit war, mit Hilfe von angefertigten Silikonformen ein Probeabguss möglich, um eventuelle Korrekturen am Urmodell noch vornehmen zu können. Das Modell wird teilweise aus Polyurethan (Resin) und Metall hergestellt. Aus etwa 54 Einzelteilen, einer Kette, Ätzteilen und einem Paar Nassschiebern setzt sich das Modell letztlich zusammen.

Die folgenden Bilder sollen das Jahr 1961 darstellen, in dem die Herstellung des Seilzugaggregates SZ 24 "Agronom" im VEB Mähdrescherwerk Weimar  begann:

Die ersten Bauteile wie Rahmen und Fahrerhaus sind gefertigt... ...und werden in die Endmontage transportiert
 
Ein erstes Serienfahrzeug ist fertig und schnuppert Tageslicht... ...während weitere Teile geliefert und Fahrzeuge die Endmontage verlassen.
 
Die fertigen SZ 24 werden eingehend geprüft.... ...und die ersten Fahrer eingwiesen. Das waren Zeiten...!
 

SZ 24 im Auslieferungszustand mit Gitter an der Tür der Arbeitsseite....

...und der Chef der ZPL Caaschwitz (Opel Olympia!) legt erste Test-Ergebnisse vor!
 
Die rechte Seite des SZ 24 mit Blick auf die Signalanlage... ...und die Heckansicht mit Blick auf die Seilwinde.
 
Kabine und Vorbau erinnern ein wenig an den LKW S 4000 aus Zwickau... ...während die Produktion in Weimar vollem Umfang läuft.
 
Der Maschinensatz bestand immer aus einem linken und rechten Fahrzeug... ...die hier von den LPG-Fahrern abgeholt und von Werktätigen verabschiedet werden.
 

Funktionsmodell

Das zweite Lehrjahr im VEB Mähdrescherwerk Weimar, erhielt im Jahr 1961 den Auftrag im Rahmen der MMM, Messe der Meister von Morgen, ein Funktionsmodell einer SZ 24 anzufertigen. Es beinhaltete alle wesentlichen Funktionen wie z.B. Fahren, Beleuchtung, Drehbewegung der Seiltrommel. Die Steuerung erfolgte über ein Kabel. Das Modell hatte eine Länge von etwa 1400 mm, Gewicht etwa 90 bis 120 kg (die Kettenglieder waren aus Metall gegossen).
 

Literaturnachweis

Ersatzteilliste September 1962 vom VEB Mähdrescherwerk Weimar
Bedienungsanleitung Oktober 1960 vom VEB Mähdrescherwerk Weimar
Prospekt 1959 vom VEB Mähdrescherwerk Weimar
Bauern-Echo vom 18. April 1959
Bauernzeitung 46/2000
Horst Hintersdorf: Der Schlepperfreund Bericht Nr. 35 v0m April 1999
Horst Hintersdorf: Typenkompass DDR-Landmaschinen- und Traktoren
Helmut Fischer und  Dr. Hans-Jörg Zöllner: 100 Jahre Industriestandort Weimar-Werk
Frank Rönicke: Verdiente Aktivisten Traktoren und Ackerschlepper der DDR
Achim Bischof: Traktoren in der DDR
Reinhard Blumenthal: Technisches Handbuch Traktoren
Peter Kirchberger: Plaste Blech und Planwirtschaft
Dr. Thomas Ruppel: Dampfpflügen
Katalog Rheinmetall-Heißdampfpflug-Apparate 1920
Gustav Fischer: Landmaschinenkunde
Jugend und Technik: April 1962

Copyright © by Norbert Hohmann
Das Urheberrecht und sämtliche weiteren Rechte sind mir vorbehalten
 

    

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