Die Traktorhydraulik

 Wer öfters am Feldrand den Traktoren zuschaut, hat sich sicher schon mal gefragt, wie das eigentlich funktioniert, daß die Strohpresse so schöne Päckchen bindet, oder der Pflug sich hebt und senkt. Wie werden die Geräte und Maschinen eigentlich angetrieben und geregelt? Das möchte ich im folgenden etwas erklären, wobei ich nicht immer bis ins letzte Detail gehen möchte, denn auch Laien sollen meine Ausführungen verstehen können. Die Fachleute unter den Lesern mögen hier also Nachsicht walten lassen. Beschreiben möchte ich dies am Beispiel des ZT 300/303. Na dann, los geht's!!

Der Antrieb

Wie können denn Maschinen/Geräte angetrieben werden?

mit Zapfwelle mit Hydraulik mit Lauf- oder Reibrad
ist die klassische Variante. Der ZT (außer ZT 304) ist in der Grundausführung nur mit einer Heckzapfwelle für den Antrieb von Anbau- und Anhängegeräten ausgerüstet. Der Anbau einer zusätzlichen Zwischenachs- oder Frontzapfwelle ist nur am ZT 300 möglich. Die Drehzahl von 540 oder 1000 U/min kann mit ist ein Zapfwellenschalthebel vorgewählt werden. Das Ein- und Ausschalten erfolgt über die Fahrkupplung. Das Drehmoment des Traktormotors wird direkt zum Anbaugerät gebracht und dort über Getriebe nutzbar gemacht ist die eher etwas seltenere Variante. Hier können große Drehmomente erzeugt werden. Der Hydraulikpumpe des Traktors erzeugte einen Ölstrom wird über die Heckkupplungen und Leitungen einem Hydromotor zugeführt. Dieser wandelt den Öldruck in ein Drehmoment um. Für dieses Verfahren muß der ZT 300/303 mit einer Zusatzbaugruppe "hydr. Mengenregelung" ausgestattet sein. Hierbei wird ein Rad entweder direkt auf den Erdboden abgesenkt, und dreht sich beim losfahren, oder ein Rad wird mittels Hydraulik auf ein Rad des Grundfahrzeuges abgesenkt und angepreßt. Die Drehbewegung wird dann über Ketten und Getriebe zu den Verbrauchern geleitet.

gibt es auch ein paar Beispiele dazu? Na klar! Es werden angetrieben:

mit Zapfwelle mit Hydraulik mit Lauf- oder Reibrad
- die Streuwalzen von Miststreuanhängern
- Strohpressen
- die Förderbänder und Siebketten   von Kartoffelsammel- und
   Rodeladern
- die Kratzerkette des Mistreu-
   anhängers HTS 90.04 (T 088)
- die Schleuderscheiben an
   Streuaufbauten
- Drillmaschinen über Laufrad
- die Kratzerkette von  Streuaufbauten, über ein "Reibrad"

Im weiteren möchte ich nun die Hydraulikausrüstung des Traktors ZT 300/303 etwas näher vorstellen.

Der Ölkreislauf

Die über den Diesel-Motor angetriebene Doppelradialkolbenpumpe erzeugt einen 10 l/min sowie einen 50 l/min Ölstrom. Der 50 Literstrom dient zur Betätigung des Krafthebers, und zum Versorgen der an den freien Anschlüssen angeschlossenen Druckstromverbrauchern. Der 10 Literstrom speist die Regelhydraulik und besitzt heckseitig einen freien Zusatzanschluß.
Mit Hilfe des Steuerblockes können nun:
- der Kraftheber
- die hydraulischen Anschlüsse (vorn oder hinten)
- das Schwimmstellungssystem
- das Antischlupfsystem, und
- das Tast- oder Tiefenregelungssystem in Funktion gesetzt werden.



 

..........was nun um Himmelswillen ist Antischlupf oder Tastregelung........??

Regelungssysteme

Antischlupf Tastregelungssystem Schwimmstellung
Beim Antischlupfsystem wird infolge der ständigen Druckbeaufschlagung des Krafthebers ein Teil der Gerätemasse auf die Traktorhinterachse übertragen. Durch diese Zusatzbelastung erhöht sich das Zugvermögen des Traktors. Über ein Duckventil wird der Druck so eingestellt, daß das Anbaugerät gerade noch von seinen Stützrädern getragen wird. Eine Tasteinrichtung zwischen den unteren Lenkern des Dreipunktgestänges kopiert die Bodenoberfläche. Von einem Seilzug werden Heb- und Senkimpulse auf das Regelventil übertragen. So wird das Arbeitsgerät (meist ein Pflug), unab- hängig von der Änderung des Boden- widerstandes und der Bodenwelligkeit, in gleichbleibender Tiefe gehalten. Selbstführende Arbeitsgeräte z.b. Grubber) verlangen eine freie, gleichzeitige Vertikalbeweglichkeit beider unterer Lenker des Krafthebers. Diese wird erreicht durch das Einschalten der Schwimmstellung. Das Anbaugerät kann sich dann unabhängig vom Traktor der Bodenoberfläche anpassen.

Nach der Erklärung der ersten Fachwörter möchte ich nun die Bedienhebel am Steuerblock und deren Auswirkung und Zusammenspiel auf die Funktionen erläutern.

Die Bedienelemente

Der Hydraulik-Steuerblock
Hebel A1 der 1.Steuereinheit (Kraftheber)
-
zum Heben und Senken des Krafthebers
Hebel A2 der 2.Steuereinheit (heckseitige Geräteanschlüsse)
- zum Bedienen von Hydraulikzylindern an den Anbaugeräten
Hebel B1/B2
- zur Vorwahl der Schwimmstellung
Vorwahlwegeventil VW 1
- zur Vorwahl von Antischlupf, Regelhydraulik oder
  Zusatzanschluss 10 l/min
Druckbegrenzungsventil VD 3
- zur Druckeinstellung für Antischlupfbetrieb
Handhebel E
- Bedienhebel zum Regelventil für Antischlupf und Tiefenregelung

Steuerblock im ZT 300 rechts neben dem Sitz
 

mögliche Zusatzausrüstung zum Hydraulik-Steuerblock

3.Steuereinheit hydraulische Mengenregelung
Der ZT kann zusätzlich zu der 1. und 2.Steuereinheit mit einem 3. Bedienhebel ausgestattet werden, die so genannte 3.Steuereinheit. Damit können weitere freie Anschlüsse bedient werden, jedoch ohne die Funktion Schwimmstellung (Hebel "B3" fehlt). Der Einbau dieser Baugruppe ist erforderlich wenn der Traktor in Verbindung mit dem Miststreuanhänger HTS 90.04 (T 088) oder Verbraucher gleicher Arbeitsweise eingesetzt wird. Dieses hydr. Ventil regelt den eingestellten Nutzstrom weitgehend unabhängig von der Belastung des Verbrauchers. Damit wird unabhängig vom Beladungszustand des Anhängers eine gleichmäßige Entladegeschwindigkeit erreicht.

Bevor wir nun mit dem Arbeiten anfangen können müssen wir aber noch wissen wie wir welchen Hebel benutzen, und welche Funktionen wir damit auslösen. 

die Bedienelemente im Einzelnen.....

Das Vorwahlwegeventil

- Stellung "0"  = Kraftheber "Heben und Senken" sowie Schwimmstellung möglich
- Stellung "1"  = Arbeitstiefenregelung und Antischlupf vorgewählt
- Stellung "2"  = Beaufschlagung des Zusatzanschlusses Ölstromkreis 10 l/min
Wenn die Hydraulikanlage nicht mehr benötigt wird, ist das Vorwahlwegeventil auf "0" zu stellen, um einer vermeidbaren Ölerwärmung vorzubeugen. Hier die Schaltstellungen noch im Bild:

Stellung "0" Stellung "1" Stellung "2"


 


 


 

 

Bedienung Kraftheber
Zum Heben und Senken des Krafthebers sind die Betätigungseinrichtungen folgendermaßen zu schalten: 
- Vorwahlwegeventil auf Stellung "0" oder "2"
- Hebel B1  senkrecht auf "Aus"
- Hebel A1  Stellung 2 = Senken
                     Stellung 0 = Neutral
                     Stellung 1 = Heben

Bedienung zum Heben:
- Hebel A1 auf "Heben", bei Erreichen der gewünschten Stellung Hebel  auf  "0-Stellung" zurücklegen, oder bei Erreichen der Endstellung des Krafthebers geht Hebel A1 selbsttätig in die "0-Stellung" zurück.
Bedienung zum Senken:

-Hebel A1 auf "Senken", hierbei muß der Hebel festgehalten werden, bis die gewünschte Stellung erreicht ist

 

Bedienung Gerätehydraulik
Zum Bedienen der Gerätehydraulik sind die Betätigungseinrichtungen folgendermaßen zu schalten: 
- Vorwahlwegeventil vorzugsweise auf "0"-Stellung Hebel B2  senkrecht auf "Aus"
- Hebel A2  Stellung 2 = Senken
                   Stellung 0 = Neutral
                   Stellung 1 = Heben

Bedienung zum Heben und Senken:
- Hebel A2 verharrt in der Stellung 1 o. 2 bis die Endlage des betätigten Arbeitszylinders erreicht ist und springt dann selbsttätig in die 0-Stellung
Hinweis zum Anschluß einseitig beaufschlagter Geräte
Das Gerät wird an SK 4 angekuppelt:
Bei diesem Anschluß wird die Gerätehydraulik bei Stellung 2 des Hebels A2 betätigt und bei 0-Stellung erfolgt der Ölrückfluß
Das Gerät wird an SK 3 angekuppelt:
Bei diesem Anschluß wird die Gerätehydraulik bei Stellung 1 des Hebels A2 betätigt
Soll auch der Gerätezylinder in der Schwimmstellung arbeiten, dann zusätzlich Hebel B2 bedienen.

 

Hebel für Schwimmstellung
In der Schwimmstellung kann sich das Gerät unabhängig vom Traktor der Bodenfläche anpassen.
Die Schwimmstellung kann in Verbindung mit dem Kraftheber (A1) oder der Gerätehydraulik (A2) genutzt werden.
Einschalten der Schwimmstellung (Beispiel Kraftheber)
- Hebel B1 umlegen
- Hebel A1 kurz auf "Senken" schalten (Senkimpuls geben)

Ausschalten der Schwimmstellung
- Hebel B1 senkrecht stellen oder
- Hebel A1 kurzeitig auf "Heben" (Hubimpuls) und danach auf  0-Stellung (das Gerät bleibt in beliebiger Stellung stehen) wenn dann die Schwimmstellung nicht mehr benötigt wird, dann ebenfalls Hebel B1 wieder senkrecht stellen

Bei Verwendung der Schwimmstellung mit der Gerätehydraulik sind entsprechend Hebel A2 und B2 zu bedienen.

 

Hebel für Antischlupf
Zum Einschalten der Antischlupfregelung sind die Betätigungseinrichtungen folgendermaßen zu schalten:
- Vorwahlwegeventil auf Stellung "1"stellen
- Hebel B1 senkrecht auf "Aus"
Bedienung:
- Handhebel "E" auf Antischlupf
- VD 3 entgegen dem Uhrzeigersinn vorerst ganz aufdrehen
- Hebel A1 auf "Senken", bis Arbeitsstellung erreicht ist
- VD3 im Uhrzeigersinn soweit zudrehen, bis das Gerät die vorgesehene Arbeitstiefe einhält, dann wird der Drehgriff von VD3 mit der Rändelmutter gekontert

Wird das Gerät mittels Hebel A1 angehoben, ist der Antischlupf ausgeschaltet. Erst durch einen Senkimpuls tritt er wieder in Funktion.

    

Hebel zur Tiefenregelung
Zum Einschalten der Tiefenregelung sind die Betätigungseinrichtungen folgendermaßen zu schalten:
- Vorwahlwegeventil auf Stellung "1"stellen
- Hebel B1 senkrecht auf "Aus"
Bedienung:
- VD 3 im Uhrzeigersinn ganz zudrehen
- Hebel A1 kurzzeitig auf "Senken" dadurch tritt die Arbeitstiefenregelung, gesteuert über die Tastkufen in Funktion
- Vorgabe des Arbeitstiefensollwertes mit Hebel "E", größere Arbeitstiefen durch Verschieben des Hebel "E" nach hinten
Beim Anheben mittels Hebel A1 wird die Arbeitstiefenregelung ausgeschaltet, erst durch Senkimpuls tritt sie wieder in Funktion.

Nun wollen wir uns das ganze mal etwas am praktischen Beispiel betrachten. Wir haben an unserem
 ZT 300 einen Anbaupflug angebaut und Pflügen in der.....

Schwimmstellung

Voraussetzung: die Arbeitstiefe wird am Stützrad des Pfluges voreingestellt

Hebelbedienung


Die zu bedienenden Hebel sind auch hier im Bild links in den Kästchen zu sehen

 
Voreinstellung:
- Vorwahlwegeventil auf Stellung "0" stellen
Bedienung:
- Hebel B1 umlegen (Vorwahl Schwimmstellung)
- Hebel A1 für den Kraftheber kurz in
  Stellung "2" legen (Senkimpuls geben)

Auswirkungen:

Der Kraftheber senkt sich mit dem Pflug ab. Der Pflug dringt in den Boden bis zur eingestellten Tiefe am Stützrad ein, das Stützrad erfaßt nun Bodenunebenheiten in Form von vertikalen Kräften, die sich auf den Pflugrahmen und damit an die Lenker des Krafthebers übertragen. Da aber Vorder- und Rückseite des Kraftheberzylinders hydr. miteinander verbunden sind kann dieser frei bewegen.
Verteilung der Belastungen zwischen Traktor und Pflug:
Da der Kraftheber sich in der Schwimmstellung befindet, und praktisch keine Hubarbeit leistet, stützt sich der Pflug auf seinem Stützrad ab, und dem Traktor steht nur sein Eigengewicht für den Bodendruck zur Verfügung.

Na das hat doch schon recht gut geklappt, doch unser ZT hat kein Allrad, und die Räder "kratzen" schon etwas durch. Wie können wir nun mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln die Zugkraft vergrößern?? Dazu bedienen wir uns der.....

Antischlupfregelung

Voraussetzung: die Arbeitstiefe wird am Stützrad des Pfluges voreingestellt

Hebelbedienung


Die zu bedienenden Hebel sind auch hier im Bild links in den Kästchen zu sehen

hydr.antischl..jpg (29588 Byte)

 
Voreinstellung:
- Vorwahlwegeventil auf Stellung "1"stellen
- Hebel B1 senkrecht auf "Aus"
Bedienung:
- Handhebel "E" auf Antischlupf
- VD 3 entgegen dem Uhrzeigersinn vorerst
  ganz aufdrehen
- Hebel A1 auf "Senken", bis Arbeitsstellung  
  erreicht ist

- VD3 im Uhrzeigersinn soweit zudrehen, bis
  das Gerät die vorgesehene Arbeitstiefe
  einhält, dann wird der Drehgriff von VD3 mit
  der Rändelmutter gekontert
Wird das Gerät mittels Hebel A1 angehoben, ist der Antischlupf ausgeschaltet. Erst durch einen Senkimpuls tritt er wieder in Funktion.
Auswirkungen:

Der Kraftheber senkt sich mit dem Pflug ab. Der Pflug dringt in den Boden bis zur eingestellten Tiefe am Stützrad ein, der Kraftheber wird nun ständig mit Druck beaufschlagt (Hub)
Verteilung der Belastungen zwischen Traktor und Pflug:
Durch die ständige Druckbeaufschlagung des Krafthebers wird ein Teil der Gerätemasse auf die Traktorhinterachse übertragen, entsprechend der Hebelwirkung wird natürlich auch die Vorderachse etwas entlastet.

Nun gibt es aber auch die Möglichkeit die Arbeitstiefe des Pfluges nicht am Stützrad einzustellen, sondern die Regelung überlassen wir da unserem ZT 300. Da bedienen wir uns nun der reinen.....

Tiefenregelung

Voraussetzung: keine Tiefenbegrenzung am Pflug (Stützrad eingeklappt)

Hebelbedienung


Die zu bedienenden Hebel sind auch hier im Bild links in den Kästchen zu sehen

hydr.tiefenreg..jpg (29138 Byte)
 
Voreinstellung:
- Vorwahlwegeventil auf Stellung "1"stellen
- Hebel B1 senkrecht auf "Aus"
Bedienung:
- VD 3 im Uhrzeigersinn ganz aufdrehen
- Hebel A1 kurzzeitig auf "Senken"
  dadurch tritt die Arbeitstiefenregelung,
  gesteuert über die Tastkufen in Funktion

- Vorgabe des Arbeitstiefensollwertes mit
  Hebel "E", größere Arbeitstiefen durch
  Verschieben des Hebel "E" nach hinten
Beim Anheben mittels Hebel A1 wird die Arbeitstiefenregelung ausgeschaltet, erst durch Senkimpuls tritt sie wieder in Funktion. Kurzzeitigem Treibradschlupf kann mit kurzem Anheben durch Hebel A1, danach wieder Senkimpuls, oder kurzzeitiges Verstellen von Hebel "E" auf Antischlupf entgegengewirkt werden. Auswirkungen:
Der Kraftheber senkt sich mit dem Pflug ab, und dringt in den Boden ein, entsprechend der durch Hebel "E" eingestellten Tiefe. Die Tastkufen erfassen die Bodenoberfläche und es werden Heb- und Senkimpulse auf das Regelventil übertragen.
Verteilung der Belastungen zwischen Traktor und Pflug:
Der Traktor trägt nun die ganze (Rest-) Last des Pfluges, und entsprechend der Hebelwirkung wird dadurch auch die Vorderachse entlastet.

  wird fortgesetzt....!!!

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